Kataban Blog
Der Drehbuchautor, der Videospiel-Geschichten auf «Profi-Niveau» hob: Die Legende von Noboru Sugimura — Zum Kinostart des neuen Resident-Evil-Films und Release von Onimusha
Dieser September bringt gleich zwei Meilensteine für Capcom-Fans: Onimusha: Way of the Sword erscheint am 4. September, und ein neuer Resident-Evil-Film startet am 18. September in den Kinos. Beide Reihen verdanken viel einem Mann, den nur wenige Spieler außerhalb Japans kennen — Noboru Sugimura (杉村升), ein erfahrener TV-Drehbuchautor, dessen Einstieg bei Capcom in den 1990ern laut Produzent Yoshiki Okamoto den Moment markierte, in dem das Schreiben von Spielgeschichten vom Nebenjob zum echten Handwerk wurde.
- Wer: Noboru Sugimura (杉村升), erfahrener TV- und Tokusatsu-Autor, bevor er zu Capcom kam
- Bekannt für (TV): 太陽にほえろ (Taiyo ni Hoero!), スケバン刑事 (Sukeban Deka), 恐竜戦隊ジュウレンジャー (Kyoryu Sentai Zyuranger)
- Bekannt für (Spiele): schrieb die Geschichte von Resident Evil 2 kurz vor Veröffentlichung komplett neu; Mitgründer von Flagship, dem Studio hinter Onimusha, Onimusha 2 und Dino Crisis
- Spätere Arbeit: Flagship unterstützte später auch Nintendos Entwicklung von The Legend of Zelda und Kirby
- Gestorben: 2005, laut Okamotos eigener Erzählung
Wer war Noboru Sugimura?
Laut Okamoto schrieben Anfang der 1990er bei Capcom noch Mitarbeiter die Spielgeschichten, die zufällig "in der Schulzeit ein bisschen geschrieben hatten" — jeder andere Teil eines Spiels ging durch Profihände, nur das Skript blieb Amateurarbeit. Sugimura war anders: ein echter Branchenprofi mit TV- und Tokusatsu-Credits, darunter die langjährige Krimiserie 太陽にほえろ, die Actionserie スケバン刑事 und der Tokusatsu-Hit 恐竜戦隊ジュウレンジャー. Für ein Team, das nur Amateurskripte kannte, war ein echter Profi im Raum laut Okamoto ein Wendepunkt für das ganze Medium.
Wie hat eine einzige Textzeile alles verändert?
Okamoto erinnert sich, dass Sugimuras erster echter Kontakt mit Capcom kam, nachdem er das originale Resident Evil gespielt hatte. Insgesamt gefiel ihm das Spiel, doch er wies auf einen Moment hin: Der Untersuchungstext einer Tür gegen Ende der Geschichte war so formuliert, dass er nach niemandes Stimme klang — weder Erzähler noch Spielfigur, nur eine merkwürdig losgelöste Zeile. Eine Kleinigkeit, aber Okamoto sagt, in diesem Moment habe er verstanden, dass Sugimura über Spielgeschichten auf einem Niveau nachdachte, das damals niemand bei Capcom erreichte.
Warum wollte er, dass Resident Evil 2 komplett neu gemacht wird?
Kurz darauf lud Okamoto Sugimura ein, sich Resident Evil 2 anzusehen, das im Osaka-Studio schon fast fertig war. Sugimuras Urteil, so erinnert sich Okamoto, war unverblümt: "Alles falsch. Auf den Kopf stellen." Statt die Kritik zu ignorieren, holte Okamoto Regisseur Shinji Mikami dazu und überzeugte das Team, die Geschichte des Spiels von Grund auf neu zu schreiben. Das neu geschriebene Resident Evil 2 wurde eines der meistverkauften Spiele seiner Zeit.
Was war Flagship, und was hat das Studio geschaffen?
Nach diesem Erfolg widmete sich Sugimura ganz den Videospielen. Okamoto wurde Präsident, Sugimura Direktor von Flagship, einer Capcom-Tochter im Tokioter Stadtteil Ginza, die sich ausschließlich auf Drehbuch und Entwicklung konzentrierte. Im Büro versammelten sich erfahrene TV- und Filmautoren — laut Okamoto ein für ein Spielestudio dieser Zeit ungewöhnlich erfahrenes Team. Flagship schrieb die Geschichten von Onimusha, Onimusha 2 und Dino Crisis, bevor es sich zu einem vollwertigen Entwicklungsstudio wandelte, das an Nintendos The Legend of Zelda und Kirby mitarbeitete.
Was machte seine Arbeitsweise so außergewöhnlich?
Okamoto beschreibt eine Angewohnheit Sugimuras, die er selbst nie erreicht habe: Schon bei der ersten Zeile eines Skripts wusste Sugimura offenbar fast genau, wie viele Zeichen der fertige Text am Ende haben würde — ohne beim Schreiben je über Tempo oder Länge nachzudenken. Die meisten Autoren ringen beim Schreiben mit der Zeichenzahl; laut Okamoto hatte Sugimura die gesamte Struktur der Geschichte schon im Kopf, bevor er ein einziges Wort geschrieben hatte.
Wie war er abseits des Schreibtischs?
So diszipliniert er beruflich war, so sehr ließ Sugimura laut Okamoto die Fassade fallen, sobald ein Skript fertig war. Auf einer Geschäftsreise nach Santa Monica überließ der kein Englisch sprechende Sugimura die Zimmerwahl an der Rezeption ganz Okamoto — und landete, halb aus Spaß, in einem Zimmer mit Blick auf den Parkplatz statt aufs Meer. Das gefiel ihm gar nicht. Auf derselben Reise entdeckte er an einem Nachbartisch eine Japanerin und verzichtete lieber ganz aufs Frühstück, als sein gebrochenes Englisch vor ihr zu sprechen. Solche menschlichen Momente sind mit ein Grund, warum Okamoto noch Jahrzehnte später so warm von ihm spricht.
Warum ist sein Erbe gerade diesen September wichtig?
Sugimura starb 2005, noch relativ jung, und Okamoto hat gesagt, die Spielebranche habe ihn viel zu früh verloren. Doch der Maßstab, den er gesetzt hat — dass die Geschichte eines Spiels dieselbe Sorgfalt verdient wie Programmierung oder Grafik — bildet bis heute das Fundament, auf dem sowohl Resident Evil als auch Onimusha stehen. Während Onimusha: Way of the Sword und der neue Resident-Evil-Film diesen Monat gemeinsam ihr Publikum erreichen, lohnt es sich, an den Drehbuchautor zu erinnern, der Capcom überhaupt erst davon überzeugt hat, Spielgeschichten ernst zu nehmen.